Jun 17, 2022

Was ist Telemedizin? Ein Überblick für Ärztinnen und Ärzte

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Sie haben Fragen zur Telemedizin? Erfahren Sie hier die wichtigsten Fakten! 

Moderne Therapiemöglichkeiten, minimalinvasive Eingriffe oder neuartige Medikationspläne gerade in der Medizin ist es wichtig, am Ball zu bleiben. Und der Fortschritt macht auch vor den Wegen, auf denen medizinische Leistungen erbracht werden, nicht halt. Telematik erhält immer mehr Einzug in die ärztliche Behandlung. Das bedeutet, dass viele Gesundheitsleistungen unabhängig von Ort und Zeit durchgeführt werden können. Was Telemedizin bedeutet und welche Chancen sie für Ärztinnen und Ärzte bereithält, erfahren Sie in diesem Beitrag!

Was ist mit dem Begriff „Telemedizin“ gemeint?

Unter den Begriff der „Telemedizin“ fallen eine Vielzahl medizinischer Leistungen, die über Informations- und Kommunikationstechnologien wie das Internet, Wearables, Apps oder auch das Telefon erbracht werden. Das Besondere dabei: Patient:innen können die Leistung ortsunabhängig in Anspruch nehmen – und zum Teil sogar zeitlich versetzt. Das gilt beispielsweise für digitale Patientenschulungen zur Rückengesundheit oder der richtigen Nutzung medizinischer Hilfsmittel.

Schon heute kommen telemedizinische Behandlungen in der Diagnostik, Therapie und Rehabilitation zum Einsatz. Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) beschloss der Bundestag 2019, den Ausbau telemedizinischer Leistungen stärker zu fördern. Und dennoch: im Vergleich zu anderen europäischen Nachbarn (z.B. Frankreich, Niederlande, Großbritannien) ist die Telemedizin hierzulande noch nicht in der Fläche angekommen. Erfolg verspricht allerdings die wachsende Anzahl verschriebener digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGAs), für die Deutschland europaweiter Vorreiter ist (ca. 50.000).

Welche Bereiche zählen zur Telemedizin?

Die Telemedizin lässt sich in mehrere Anwendungsarten unterteilen. Dabei erleichtert sie sowohl die Kommunikationen mit Kolleginnen und Kollegen als auch den Kontakt zu Patient:innen. Erhalten Sie hier einen Überblick, in welchen Bereichen ärztlicher Versorgung die Telematik sinnvoll zum Einsatz kommt:

Online-Videosprechstunden

Der wohl bekannteste Bestandteil der Telemedizin sind Online-Videosprechstunden. In diesem Format erfolgen ärztliche Untersuchung und Beratung per Video. Die wichtigste Voraussetzung für Online-Konsultationen ist eine datenschutzsichere und zertifizierte Videosoftware. Softwareanbieter wie jameda bieten Ärztinnen und Ärzten eine sichere, end-to-end-Verschlüsselte Plattform für virtuelle Patientengespräche. Die Anwendung ist denkbar einfach: mit wenigen Klicks buchen Patient:innen einen Termin, erhalten am Tag der Beratung einen Code, mit dem Sie sich im virtuellen Wartezimmer anmelden. Der Arzt oder die Ärztin kann Patient:innen dann in die Besprechung rufen und sie zu Symptomen, Befunden oder den Behandlungsverlauf beraten.

Der große Vorteil der digitalen Sprechstunde ist, dass die Behandlung mit keinem zeitlichen Aufwand für Anfahrt oder Wartezimmer verbunden ist. Online-Videosprechstunden eignen sich besonders gut, um Kontrolltermine, Krankschreibungen oder Befundbesprechungen für Sie und Ihre Patient:innen ohne viel Aufwand abzuhalten.  

Bei manchen Krankheitsbildern reichen die Anamnese und die Inaugenscheinnahme per Video, um eine Diagnose und Therapie festzulegen – dann ist von Telediagnostik die Rede. Telediagnostik ist im Volksmund auch unter Ferndiagnose bekannt. Allen voran bei Krankheiten, die mit typischen visuellen Merkmalen einhergehen, kommt die Telediagnostik zum Einsatz. Zu den gängigen Einsatzgebieten zählen unter anderem Teleneurologie und Teledermatologie.

Ein Beispiel: Leidet ein:e Patient:in unter akutem Hautausschlag, kann ein Dermatologe oder eine Dermatologin im Rahmen einer Online-Videosprechstunde schnell und unkompliziert mögliche Ursachen identifizieren. Daraufhin wird beispielsweise entschieden, ob eine Behandlung notwendig ist oder welche Therapieformen in Frage kommen.

Gut zu wissen: Am 01.04.2022 sind durch das Ende der Covid-19-Sonderlage neue Vergütungsoptionen für Online-Videosprechstunden in Kraft getreten. Dadurch können Behandlungen per Videosprechstunde nicht mehr unbegrenzt abgerechnet werden. Die gute Nachricht: Die Begrenzung der Behandlungsfälle wird nach DVPMG von 20% (Stand vor Corona) auf 30% angehoben. Weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrer kassenärztlichen Vereinigung.

Telekonsilien

Zum Austausch über patientenbezogene und medizinische Fragestellungen steht Ihnen im Rahmen der Telemedizin das Telekonsil zur Verfügung. Sofern deren elektronische Übertragung den gesetzlichen Bestimmungen zur Datensicherheit entsprechen, lassen sich Telekonsile nach KBV-Maßgaben abrechnen. Der Vorteil: die Meinung Ihrer Kolleginnen und Kollegen lassen sich unkompliziert und schnell einholen. Auch bei der Versorgung im Krankenhaus kommen Telekonsilien zum Einsatz: So haben Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit, Visiten zusammen mit Experten des jeweiligen Fachgebiets durchzuführen und Diagnosen zu stellen.   

Gut zu wissen: Seit 2017 haben Sie als Vertragsarzt oder -ärztin die Möglichkeiten, Telekonsil-Leistungen abzurechnen. Zu diesen Leistungen zählen zum Beispiel Befundbeurteilungen von Röntgen- und CT-Aufnahmen oder die telekonsiliarische Beurteilung von Fachärzten.

Digitale Patientenschulungen

Eine weitere Option, die die Telemedizin aufgeschlossenen Mediziner:innen bietet, sind virtuelle Patientenschulungen und Webinare. Diese werden sowohl zu aktuellen als auch dauerhaften Fragen veranstaltet, etwa Patientenerfahrung und -kommunikation, gesunde Ernährung und Lebensweise, Verwendung medizinischer Anwendungen usw. Auch für die Risikoaufklärung vor Operationen kommen Patientenschulungen zum Einsatz.

Telemonitoring

Großes Potenzial bietet die Telemedizin auch im Bereich der Fernüberwachung und -kontrolle biologischer Messwerte sowie des Krankheitsverlaufs. Der elektronische Versand wichtiger Dokumente (z.B. Anamnese- oder Aufklärungsbogen) und die Interpretation aktueller Gesundheitsdaten wandeln die punktuelle Arzt-Patienten-Beziehung zu einer langfristigen Partnerschaft, in der Patient:innen an ärztlichen Entscheidungen zunehmend partizipieren. Zudem lassen sich regelmäßige Termine besser an die alltäglichen Anforderungen von Patient:innen und Ärzten anpassen. 

In der Praxis:  Zeigt die Therapie eines Hautekzems nach wenigen Wochen erste Wirkung, lässt sich der Behandlungsfortschritt z.B. mittels Fotos in wenigen Sekunden beurteilen.

Medizin-Apps

Auch digitale Applikationen sind ein zentrales Mittel der Telemedizin: sie eignen sich v.a. zur Prävention oder als Ergänzung der fachärztlichen Behandlung. Beliebte Anwendungsbereiche sind z.B. die Nachsorge bei Schlaganfallpatient:innen, die Behandlung von Tinnitus, Diabetes oder Depressionen. Dabei ist die Anzahl der Anbieter digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGas) und deren Verschreibungen seit Verabschiedung des DVG kontinuierlich gestiegen.  

In vielen Fällen können Sie als Vertragsarzt oder -ärztin digitale Medizinanwendungen über Apps und Kurse per Kassenrezept verschreiben. Je nach Situation übernimmt die Krankenkasse bei zertifizierten Apps einen Teil oder die Gesamtkosten. Welche Apps vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität freigegeben sind, erfahren Sie hier.  

Die Vorteile der Telemedizin

Telemedizinische Gesundheitsleistungen sind auf dem Vormarsch - und das mit gutem Recht: sie vereinfachen die individuelle und zielgerichtete Versorgung von Patient:innen, bauen Bürokratie ab und sparen wertvolle Zeit für die persönliche Begegnung zwischen Arzt und Patient:innen. Auch haben immobile Patient:innen in unterversorgten Gebieten die Chance, mittels Telemedizin die notwendige medizinische Versorgung zu erhalten.  

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