Februar 10, 2023

Praxiseröffnung: In 5 Schritten zur kassenärztlichen Zulassung

Ärztin informiert sich über die kassenärztliche Zulassung für eine Praxisneugründung

Erfahren Sie mehr über die notwendigen Schritte, um eine kassenärztliche Zulassung zu erhalten.

Für viele Ärzt:innen ist die Eröffnung ihrer eigenen Arztpraxis der zentrale Meilenstein in ihrer beruflichen Laufbahn. Nach dem Medizinstudium sammelt eine Vielzahl von Absolvent:innen Praxiserfahrung in Festanstellung am Krankenhaus oder in einer Arztpraxis. Doch der Wunsch, die Arbeitsabläufe und das medizinische Leistungsspektrum eigenständig festzulegen, bewegt Ärzt:innen oftmals zum Schritt in die Selbständigkeit.

Spielen Sie mit dem Gedanken, Ihre eigene Arztpraxis zu eröffnen? In unserer Checkliste haben wir die wichtigsten Schritte bis zur Praxiseröffnung für Sie zusammengefasst. 

Praxisneugründung oder Praxisübernahme? So finden Sie Ihren Weg zur eigenen Praxis 

Sobald Sie den Entschluss gefasst haben, Ihre eigene Praxis zu eröffnen, kommen einige knifflige Entscheidungen auf Sie zu. Gleich zu Beginn sollten Sie sich im Klaren darüber sein, ob Sie Ihre Arztpraxis neu gründen oder die Praxis eines oder einer Kolleg:in übernehmen möchten. Beide Optionen bringen je nach Region sowie gewünschtem Zeit- und Investitionsaufwand Vor- und Nachteile mit sich. 

Für die Neugründung einer Arztpraxis spricht der enorme Gestaltungsfreiraum, der mit dem Aufbau einer neuen Praxis von Grund auf einhergeht. So können Sie beispielsweise das Leistungsangebot, den Standort sowie die Räumlichkeiten Ihrer Praxis frei wählen. In gut versorgten Regionen kann es jedoch sein, dass Ihre Niederlassungsfreiheit durch regionale Regelungen zur Arztdichte eingeschränkt wird – mehr dazu erfahren Sie im Gliederungspunkt 3 unserer Checkliste.

Gerade wenn Ihr Wunschstandort nicht zu den unterversorgten Gebieten zählt, lohnt es sich, eine Praxisübernahme zu erwägen. Neben Räumlichkeiten, Ausstattung, Personal und Organisationsstrukturen übernehmen Sie auch das Praxis-Image und den schon vorhandenen Kundenstamm Ihrer Kolleg:innen.

Für die Übernahme der Praxis eines anderen Arztes oder Ärztin lohnt sich ein Blick auf Praxisbörsen. Beginnen Sie rechtzeitig mit der Suche, denn je größer der Zeitraum ist, in dem Sie suchen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie auf den passenden Anbieter treffen.

Ein Tipp von uns: Im Internet finden Sie eine Vielzahl an Praxisbörsen – zum Beispiel von Ihrer Kassenvereinigung oder über das Deutsche Ärzteblatt. Nutzen Sie diese Portale und finden Sie dort eine Ausschreibung, die Ihren Anforderungen entspricht.

Praxiseröffnung: Diese Schritte sollten Sie beachten

Sobald Sie sich entschieden haben, ob Sie eine bestehende Praxis übernehmen möchten oder lieber eine Neugründung anstreben, haben Sie einen wichtigen Schritt in Richtung Praxiseröffnung bereits geschafft. Bis zum Eröffnungstag sollten Sie zusätzlich auf diese Punkte achten:

Schritt 1: Lassen Sie sich in das Arztregister eintragen 

Der erste Schritt führt Sie zur Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Hier müssen Sie sich zunächst in das Arztregister eintragen lassen. Neben der erforderlichen Vorlage Ihrer Approbation sollten Sie nachweisen können, dass Sie eine allgemeinmedizinische oder fachspezifische Weiterbildung abgeschlossen haben. Die Nachweise reichen Sie zusammen mit dem Antragsformular bei der KV ein. Welche KV für Sie zuständig ist, hängt von Ihrem Wohnort ab (alle Ansprechpartner finden Sie hier). Übrigens: Die Eintragung ins Arztregister ist kostenpflichtig.

Schritt 2: Beantragen Sie Ihre Zulassung als Vertragsarzt

Die kassenärztliche Zulassung beantragen Sie beim örtlichen Zulassungsausschuss. Neben diversen Dokumenten und Nachweisen müssen Sie den Vertragsarztsitz und Ihr Fachgebiet mit angeben. Zudem benötigen Sie zwingend den Auszug aus dem Arztregister sowie ein polizeiliches Führungszeugnis.

Schritt 3: Wählen Sie Ihren Praxisstandort aus

Der Standort ist entscheidend für Ihre kassenärztliche Zulassung. Denn wie viele Niederlassungen möglich sind, ist abhängig von der Anzahl der vorhandenen Praxen und der Einwohnerzahlen. Die Bedarfsplanung übernehmen die jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen für jedes Bundesland. Ist der Planungsbereich offen, haben Sie Glück. Denn in einem solch unterversorgtem Raum herrscht freie Praxiswahl. Ist der Planungsbereich hingegen gesperrt, müssen Sie mit Wartezeiten rechnen. Beabsichtigen Sie, gezielt einen bestimmten Standort zu besetzen, und zeigen Sie nachhaltiges Interesse, so melden Sie sich frühzeitig an und sichern Sie sich einen Platz auf der Warteliste. Die Dauer der Wartefrist ist nämlich auch ein Besetzungskriterium.

Die Bewerbungskriterien für einen Praxisstandort umfassen unter anderem:

  • Approbationsalter
  • Dauer der ärztlichen Tätigkeit
  • Mindestens 5 Jahre in einem unterversorgten Gebiet tätig

Hinweis: Zahnärzt:innen und Kieferorthopäden sind von der Bedarfsplanung ausgenommen.

Ihre Visitenkarte, Ihre Patientenbroschüren und andere Werbemittel sind ein geeigneter Ort, um Patient:innen um einen Erfahrungsbericht auf jameda und anderen einschlägigen Arztbewertungsportalen zu bitten. Die Premium-Variante: Ein iPad im Wartezimmer, auf dem Ihre Patient:innen direkt die Wartezeit nutzen können, um einen Erfahrungsbericht zu teilen. Plakate und Flyer sind ein bewährtes Mittel, um Ihre Patient:innen bei einem Besuch in Ihrer Praxis zu informieren. 

Schritt 4: Denken Sie über Alternativen zur Kassenzulassung nach 

Je nach Ihren individuellen Vorstellungen kann es lange dauern, bis Sie eine kassenärztliche Zulassung erhalten. Praxiseröffnungen erfordern neben den bürokratischen Hürden noch weitere Voraussetzungen, von denen Ihr Erfolg bei der Eröffnung der eigenen Praxis abhängen kann:  Gründergeist, Unternehmertum, steuerrechtliche Aspekte, etc.

Deshalb ergibt es Sinn, dass Sie auch über Alternativen nachdenken:

  • Eröffnung einer Privatpraxis: ist in zulassungsbeschränkten Gebieten problemlos möglich – allerdings nur für Privatpatient:innen und Selbstzahler:innen
  • Festangestelltes Arbeitsverhältnis in der Praxis eines Vertragsarztes oder einer Vertragsärztin (als Vorbereitung auf eine evtl. Praxisübernahme)
  • Teilzulassung: Diese Regelung ist unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie gedacht. Bei dem Modell teilen Ärzt:innenihren Versorgungsauftrag mit einem oder einer anderen niederlassungswilligen Kolleg:in je zur Hälfte. Einige Vertragsärzt:innen nutzen die Teilzulassung dafür, um ihre Arbeit in der eigenen Praxis mit einer Festanstellung im Krankenhaus zu verbinden
  • Jobsharing: Der Vertragsarzt oder die Vertragsärztin verzichtet auf einen Teil seiner oder ihrer Leistungen, und kann Sie als Juniorpartner aufnehmen. 

Schritt 5: Holen Sie sich Verstärkung ins Boot

Im Zuge der Eröffnung Ihrer eigenen Arztpraxis stehen einige Behördengänge und Organisationsaufgaben an: So müssen Sie bei der Neugründung einer Praxis beispielsweise darauf achten, dass Ärztekammer, Gesundheitsamt und Ärzteversorgung zeitnah von Ihrer Neugründung erfahren.

Stellen Sie zusätzlich dazu sicher, dass Ihre Praxiseröffnung in der Region bekannt wird. Indem Sie Ihre Praxis in Arztforen und auf Bewertungsportalen eintragen, steigern Sie Ihre Sichtbarkeit von Anfang an. Auch bei der Übernahme einer schon bestehenden Arztpraxis lohnt es sich, die Online-Einträge zu aktualisieren. Erfahrungsberichte auf Arzt-Patienten-Platformen wie jameda.de unterstützen Sie beim professionellen Internetauftritt für Ihre Praxis. 

Fazit

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, eine Praxis mit Kassenzulassung zu eröffnen, sollten Sie sich rechtzeitig mit dem Thema befassen und frühzeitig die Zulassung beantragen. Sind die ersten Hürden genommen, steht Ihrem selbstbestimmten Arbeitsalltag als Vertragsarzt oder Vertragsärztin nichts mehr im Wege.

Indem Sie sich verlässliche Partner:innen an Ihre Seite holen, können Sie sich voll und ganz auf Ihre Tätigkeit als Arzt oder Ärztin fokussieren: Neben einem Steuerberater und dem Praxisteam empfiehlt es sich zudem, auf Verstärkung in den Bereichen Praxismarketing und Öffentlichkeitsarbeit sowie Terminmanagement zu setzen. Dadurch stellen Sie sicher, dass Ihre Praxis bereits direkt nach der Eröffnung bekannt ist und Ihre Patient:innen schnell und einfach mit Ihnen in Kontakt treten können.

Wir begleiten Sie gerne auf Ihrem Weg und sind bei Fragen rund um das Thema Terminmanagement und Praxismarketing für Sie da.  Vereinbaren Sie noch heute einen Beratungstermin.