May 27, 2022

LQBTQ+ Sensible Kommunikation im Arzt-Patienten-Verhältnis

pexels-steve-johnson-1704120-1

Sie möchten LGBTQ+ Patient:innnen ein vertrauensvolles und sicheres Behandlungserlebnis ermöglichen? Wir haben die wichtigsten Voraussetzungen für Sie gesammelt!

 

Kommunikation im Arzt-Patienten-Verhältnis

Neben ärztlicher Fachkompetenz ist eine empathische und professionelle Kommunikation die zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Patientenbeziehung. Sie wirkt sich nicht nur positiv auf den Behandlungserfolg und die Adhärenz aus, sondern beeinflusst auch das Wohlbefinden von Patient:innen: Studien belegen, das mehr als 60% der Patientenzufriedenheit von einer erfolgreichen Kommunikation abhängen. 

So lohnt es sich, im Behandlungsgespräch einen empathischen und sensiblen Umgang zu pflegen - insbesondere mit  sexuellen und geschlechtsspezifischen Minderheiten. 

Stigmatisierung von LGBTQ+ Patient:innen bei der ärztlichen Behandlung

Die Gesundheitsversorgung für LGBTQ+ Patient:innen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) ist in Deutschland in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus gerückt. Bedauerlicherweise erfahren jene Patient:innen auch heute noch Diskriminierung und Stigmatisierung. Treffen sie bei Ärztinnen bzw. Ärzten auf ein ausgrenzendes Verhalten, führt das möglicherweise dazu, dass sie seltener eine Praxis aufsuchen als erforderlich.  

Immer wieder begegnen LGBTQ+ Patient:innen in der medizinischen Versorgung Unwissen, Vorurteilen oder gar Zurückweisung durch medizinisches Personal oder Ärztinnen und Ärzte. So berichten beispielsweise 77 Prozent der Transgender über negative Erfahrungen im Gesundheitssystem. 

Dabei ist vielen Ärztinnen und Ärzten kaum bewusst, dass sie Menschen aus der LGBTQ+ Bewegung mit Vorurteilen gegenübertreten. In der Annahme, dass sie alle Patient:innen gleichbehandeln, entgeht ihnen beispielsweise, dass ihrer Arbeit häufig ein heterosexuelles Bezugssystem zugrunde liegt, das Lebensweisen der LGBTQ+ Community ignoriert und Fehlannahmen über den Beziehungsstatus ihrer Patient:innen begünstigt. 

Es kommt sogar vor, dass Mediziner:innen gegenüber LGBTQ+ Patient:innen geringschätzig auftreten. Solch diskriminierende Äußerungen und Handlungen lassen sich wie folgt zusammenfassen: 

  • Fehldeutung von LBGTQ+ Identitäten als ausschließlich sexuell orientiert 
  • Moralisierende Abwertung sexueller Praktiken 
  • Entwertung von LGBTQ+ Identitäten als „Phase“ junger Patient:innen 
  • Herabwürdigung der Beziehungen von Menschen mit LGBTQ+ Hintergrund, z.B. ihrer Elternrolle 
  • Beleidigung von LBGTQ+ Patient:innen mit abwertenden Begriffen 

Strukturelle Verbesserungen für eine nachhaltige Entstigmatisierung lassen sich dadurch erreichen, dass die Gesundheitsversorgung soziosexueller Minderheiten bereits während der Ausbildung medizinischer Fachangestellter und junger Ärztinnen und Ärzte thematisiert wird. 

Mehr Bewusstsein für LGBTQ+ im Arzt-Patienten-Verhältnis

Eine weitere Möglichkeit, um im Arzt-Patienten-Verhältnis ein Bewusstsein für die LGBTQ+ Thematik zu schaffen, ist das Gütesiegel "Praxis Vielfalt“. Mit diesem Siegel werden Arztpraxen von der Deutschen Aidshilfe zertifiziert, die Personen aus der LGBTQ+ Bewegung eine diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung gewährleisten. 

In einem qualitätsgesicherten Teamprozess können Sie als Mediziner:innen gemeinsam mit Ihrem Praxis- und Behandlungsteam Ihre Diversity-Kompetenzen stärken und so mehr Handlungssicherheit im Praxisalltag gewinnen. Die angesprochenen Patient:innen finden dadurch leichter einen vorurteilsfreien Ort für ihre ärztliche Behandlung und fassen schneller Vertrauen zu Ihnen und Ihrer Praxis. 

Über die Website www.praxis-vielfalt.de haben Sie die Möglichkeit, sich für den Zertifizierungsprozess anzumelden. Sie erhalten anschließend Zugang zu acht digital aufbereiteten Lernmodulen, die Sie über einen Zeitraum von sechs Monaten verteilen können. 

Dabei behandelt die Zertifizierung vier grundlegende Qualitätskriterien:

  • Sichtbarkeit von Vielfalt und Sensibilität für Diskriminierung
  • Begegnung mit Patient:innen auf Augenhöhe
  • Sensibler Umgang mit Diagnosen und persönlichen Daten 
  • Bereitschaft zur Ergänzung des eigenen Wissens zum Thema LGBTQ+ und zum Verweis an kompetente Stellen außer- und innerhalb des Gesundheitswesens

Offenheit statt Befangenheit im Arzt-Patienten-Verhältnis

In vielen Arztpraxen ist die Befangenheit groß – auf beiden Seiten. Die beste Lösung ist Offenheit im Dialog über die sexuelle Orientierung – wie zahlreiche Expert:innen empfehlen. Dabei geht es darum, den Patient:innen eine Möglichkeit zu geben, ihre Identitäten unbeschwert in den Behandlungsprozess einzubringen. Es wird oftmals unterschätzt, wie viel Kraft es kostet, einen so wichtigen Teil der eigenen Selbstdefinition zu verbergen. 

Zu signalisieren, dass Sie gegenüber verschiedenen Lebensweisen aufgeschlossen sind, ist bereits ein großer Schritt in die richtige Richtung. Dies gelingt beispielsweise, indem Sie als Ärztin oder Arzt bei Fragen zur Partnerschaft beide Geschlechter anbieten. Die Patient:innen können dann selbst entscheiden, ob sie auf Ihr Gesprächsangebot eingehen möchten oder nicht.

LGBTQ+ Kompetenzen sind essentiell für ein barrierefreies Arzt-Patienten-Verhältnis

Die Kenntnis der Besonderheiten der  Lebensentwürfe von LGBTQ+ Patient:innen ist unverzichtbar für ein erfolgreiches Behandlungsverhältnis. Indem Sie das Vertrauen von LGBTQ+ Patient:innen gewinnen und ihnen Sicherheit bei der Behandlung geben, leisten Sie einen wertvollen Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt im deutschen Gesundheitswesen.

Sie sind an einer nachhaltigen Umsetzung geschlechtergerechter Sprache in Ihrer Praxis interessiert? Dann registrieren Sie sich hier für das Webinar "Die inklusive Praxis", das wir in Kooperation mit der  Beratung Fairlanguage veranstalten.